Konnektivitätsanalysen


Die Forderung nach einer effektiven Biotopvernetzung wird in der heutigen Zeit mit vielen zerschnittenen Lebensräumen und den Folgen des Klimawandels immer stärker. In Deutschland sind Biotopverbund und Biotopvernetzung u. a. durch das Bundesnaturschutzgesetz (§21) ein angestrebtes Ziel. Ein funktionaler Kontakt zwischen Biotopen erlaubt den Habitatwechsel und damit auch Austausch von Individuen einzelner Arten und sichert damit deren Überleben.


Im Folgenden können Sie sich über einige beispielhafte Projekte informieren!

Konnektivitätsanalysen


Obwohl Konnektivitätsanalysen immer mehr gefordert werden, gibt es auch Kritik. Die schwere Überprüfbarkeit einer gelungenen Vernetzung wird dabei häufig genannt. Daher überprüfen wir unsere Korridornutzung im Feld mittels verschiedener Methoden wie z.B. Kamerafallen, Fraßplätzen oder Haarfallen. Ein weiterer Kritikpunkt ist die Gefahr, dass suboptimale Habitate vernetzt werden, wodurch die verbundenen Habitate als Populationssenken wirken. Diese Gefahr kann durch eine zielgerichtete Konnektivitätsanalyse basierend auf einer aussagekräftigen Habitateignungskarte vermieden werden.


1) Vernetzung optimaler Habitate

Der erste Schritt um eine effektive und nutzbare Konnektivität herzustellen, ist die Identifikation der Faktoren, die von einer spezifischen Art an den Korridor gestellt werden. Dabei sind genaue Kenntnisse der Biologie, des Verhaltens und der Ökologie der Art erforderlich. Methodisch ist es darüber hinaus notwendig, modellierte Vernetzungen im Freiland zu analysieren und mögliche Schwachstellen in der Kartengebung zu identifizieren.


Encarnacão, J. A., & Becker, N. I. (2015). Stealthy at the roadside: Connecting role of roadside hedges and copse for silvicolous, small mammal populations. Journal for Nature Conservation, 27, 37-43.


2) Genetik als Konnektivitätsindikator

Auch die Genetik kann interessante Einblicke in die Vernetzung einzelner Populationen erlauben. Dabei kann die Sammlung von genetischem Material meist minimal-invasiv durch z.B. Haarfallen durchgeführt werden, wobei die Individuen nicht gefangen werden müssen. Die Analyse der genetischen Struktur von Populationen kann detaillierten Aufschluss über deren Erhaltungszustand und mögliche Isolationen geben.


Encarnação, J. A. (2012a). Mating at summer sites: indications from parentage analysis and roosting behaviour of Daubenton’s bats (Myotis daubentonii). Conservation Genetics, 13, 1161-1165. doi: 10.1007/s10592-012-0343-0


3) Tiere als Habitat

Für einen Parasit ist der Wirt das Habitat. So stellt sich eine Konnektivitätsmodellierung für Parasiten anders dar, als für andere Tierarten. Eine Analyse der Verhältnisse und Übertragungen von Parasiten zwischen Wirtshabitaten liefert allerdings höchst wertvolle Einsichten zur Evolution und zum Verhalten (z.B. Quartiernutzung und Wechselverhalten) einzelner Arten.


Baulechner, D., Becker, N. I., & Encarnação, J. A. (2013). Host specificity in spinturnicid mites: do parasites share a long evolutionary history with their host? Journal of Zoological Systematics and Evolutionary Research, 51(3), 203-212.